Vor Landskrona an der schwedischen Südküste gewinnt Philipp Buhl unter 28 Nationen den Titel für Deutschland. Der 19-jährige Sportsoldat holte damit bei drei Europameisterschaften in Serie vier Medaillen: zweimal Gold 2007, Silber 2008 und jetzt erneut Gold in Schweden. Kein Laser-Nachwuchssegler weltweit hat jemals zuvor eine derart umfassende Erfolgsserie geschafft. Erklärtes Ziel des Vize-Europameisters von 2008 war es, den EM-Titel der Junioren bei der letzten Gelegenheit nochmals zu erobern. Mit dieser Vorgabe setzte er sich selbst vorab die höchste Hürde und musste mit ihr gegen 122 Athleten aus 28 Nationen klarkommen. Das Wettkampfareal im schwedische Öresund (Meerenge zwischen Ostsee und Kattegat) stellt insbesondere wegen der schwierig nachvollziehbaren unregelmäßigen und teils starken Meeresströmungen höchste Ansprüche an die Großraumtaktik von Segler und Coach.
Das Team Buhl kam mit den Anforderungen von Beginn an gut zurecht. Am ersten Tag beendete der Athlet vom Segelclub Alpsee Immenstadt (SCAI) die Wettfahrten in seinem Fleet (aufgeteilt wurde in zwei Gruppen) an vierter und sechster Position. Die Liste wurde von Kroatien und Polen angeführt. Am Folgetag steigerte er sich mit zweimal Platz zwei und verbuchte die geringste Punktezahl auf seinem Konto. Da nach der vierten Wettfahrt bereits ein Streicher für das schlechteste Ergebnis wirksam wurde, lag Buhl zunächst aber auf Rang vier. Die Führung übernahm die Niederlande durch Gijs Pelt.
Der dritte Wettkampftag bescherte erneut nur leichte Winde, die auch weiterhin angesagt waren – eine besonders schwierige Situation für den Allgäuer. Aufgrund seiner körperlichen Konstitution kann er seine Vorzüge erst ab mittleren Windstärken deutlich entfalten. Dennoch ist Buhl auch bei den Optimalbedingungen für die Leichtwindspezialisten eine hart zu knackende Nuss. Im fünften Race passiert Buhl mit einem 17. ein erster Ausrutscher. Aber gleich anschließend trumpft er mit feinster Segeltechnik und einwandfreier Wind-Strömungs-Taktik auf und sichert sich seinen ersten und ersehnten Wettfahrtsieg bei diesem Event, vor seinem Hauptwidersacher Michal Gryglewski (Polen). Buhl rückte gesamt auf die zweite Position vor und damit an die Ferse des Polen.
Zum Ausklang der Qualifizierungsserie (8 Races)am nächsten Tag gelangen dem Segler vom Alpsee erneut bei Leichtwind zwei Top Ten-Ergebnisse. Damit verdrängte er Polen und die Niederlande von der Frontposition und übernimmt selbst die Führungs just zum Begin der Finalserie. Ab jetzt erfolgte die Gruppenteilung in Goldfleet (beste Hälfte) und Silberfleet. Bei dieser Situation zählt jedes Ergebnis doppelt so wirksam.
Zur Freude von Buhl frischte am fünften Tag der Wind auf mittlere Windstärken (3 bis 4 Beaufort) auf. Mit einem fünften Platz endete die erste Tageswettfahrt. Buhl: „ Das bedeutet weitere Stabilisierung und ist voll okay!“. Ausgerechnet jetzt, wo die Verhältnisse ihm entgegen kommen sollten, unterläuft ihm in der Folgewettfahrt ein schwerwiegender Startfehler, dessen Folgen sein taktisches Konzept samt Optionen schwer durchkreuzen. Ein 50. Platz ist das schmerzhafte Ergebnis. Trotzdem bleibt Buhl in Führung, da ab der zehnten Wettfahrt ein zweiter Streicher ansetzbar war. Er konstatiert: „… kein Beinbruch, aber das Schutzpolster ist weg.! Beunruhigend war nämlich, dass der Estländer Karlmartin Rammo als offensichtlicher Windspezialist sich mit zwei ersten Plätzen dich an Buhl herangearbeitet hatte.
Für den abschließenden Finaltag galt für Buhl nur noch „… kein Risiko scheuen, Vollgas geben und darf mir keinerlei größeren Fehler leisten!“. Buhl lag zwar in Führung, aber z. B. ein Frühstart oder ein falsches Wind-Strömungskonzept hätten jetzt das sichere Aus für den Titelgewinn bedeutet.
Der Segler vom Alpsee meistert die schwere mentale Bürde ebenso souverän wie die segeltechnische. Mit gelungenem Start und der einer richtigen Seitenentscheidung rundet er bei mittelstarkem Wind als Sechster die erste Bahnmarke und segelt sich bis ins Ziel an die Bestzeit. Mit diesem Goldfleet-Sieg wächst sein Vorsprung auf satte 31 Punkte.
Die spannende Zitterpartie war allerdings noch nicht zu Ende, das Rennen um die Medaillenplätze noch offen, denn die letzte Finalwettfahrt stand noch bevor. Dazu sollte es aber nach über zweistündigem Abwarten auf geeignete Windverhältnisse nicht mehr kommen.
Für Philipp Buhl war damit ein weiterer Sensationserfolg perfekt. Er gewinnt mit souveränem Vorsprung erneut die Goldmedaille bei der Junioren-EM der olympischen Laser-Klasse. Silber sicherte sich Gijs Pelt aus den Niederlanden, Bronze ging an den Polen Wojiech Zemke. Das zweitbeste deutsche Ergebnis erzielte der Berliner Johannes Glitzky (17.).
Homepage von Philipp Buhl http://www.scai.immenstadt.de/index.shtml?buhl2
Friedl Buhl
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