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Philipp Buhl mit Full-Speed, Foto: Friedl Buhl

Interview
Philipp Buhl über die Saison 2009

Frage: Hallo Philipp, Glückwunsch zu Platz 9 beim World Cup in Hyeres! Schon so früh in der Saison so gut, wie kommt das?

Buhl: Vielen Dank. Ich finde, meine früher Saisonserfolg in Hyeres ist gar nicht so außergewöhnlich. Immerhin konnte ich voriges Jahr um diese Zeit ebenso in Hyeres den Europacup gewinnen. Gründe für diesen frühen Erfolg sind sicherlich, dass ich erneut ein intensives Wintertraining geleistet und deutlich mehr Trainingsstunden auf dem Wasser absolviert habe als in den Jahren zuvor. Deshalb fühle ich mich in einer guten seglerischen Verfassung.
Um ein Resultat wie bei der Semaine Olympique erzielen zu können, darf natürlich nicht viel schief laufen und das letzte Quäntchen Glück nicht fehlen.
Nicht zu vergessen ist eine gute Taktik, die speziell bei solch anspruchsvollen Windverhältnissen ein wichtiger Schlüssel zu den konstant guten Leistungen ist.

Frage: Im Medal Race mit Frühstart, man könnte denken du warst ein bisschen übermotiviert, was war deine Strategie?

Ich war zwar sicherlich in voller Angriffslaune, jedoch nicht übermotiviert. Meine Strategie war denkbar einfach. Ich wollte mich entschlossen aus dem Startgedränge rausfahren und anschließend sofort mit freiem Wind auf die richtige Seite. Als neunter konnte ich beim Medal-Race risikofreudig an den Start gehen. Es war leider des Guten etwas zu viel. Und wie sich im Nachhinein herausstellte, kann sich eine gedämpftere Risikobereitschaft speziell bei einem Medal Race-Start am Ende doch mehr lohnen.

Frage: Seit Herbst 2008 bist du in der Sportfördergruppe der Bundeswehr und dementsprechend auch in Kiel am DSV Trainingsstandort. Beschreib doch mal deinen Tagesablauf wenn du nicht auf Regatten unterwegs bist!

An einem typischen Tag am Trainingsstandort Kiel absolvieren wir zwei bis drei Trainingseinheiten pro Tag. Diese unterscheiden sich sowohl in der Intensität als auch inhaltlich, abhängig von Wettkampflage und Wetter.
So begann das Segeltraining auf dem Wasser wegen der niedrigen Temperaturen erst wieder vor wenigen Wochen. Die Einheiten finden von 10 Uhr bis abends um 21 Uhr statt. Aufgrund der Studiumaktivitäten nehmen jedoch oft nur wenige Kaderathleten daran teil. Zudem ist am Wochenende i. d. R. kein Programm geboten. Dies sind wesentliche Gründe, warum ich im Winter teils auch zu Hause im Oberallgäu trainiert hatte. Hier konnte ich als begeisterter Wintersportler zusätzlich sehr gute und interessante Trainingsmöglichkeiten wahrnehmen. Ich habe hier auch an den Wochenenden trainiert und mir die Zeiten individuell geplant. Für einen Sportsoldaten besteht die Hauptaufgabe schließlich im Sport und der Trainingseffekt sollte schließlich im Vordergrund stehen.

Frage: Dich sieht man auf dem Wasser oft mit deinem Vater Friedl als "Privatcoach", wie wertvoll ist diese Zusammenarbeit und was sagt dein Bundestrainer Thomas Piesker dazu?

Ein Coach, der bei Wettkämpfen bis zu sechs Segler betreuen soll, kann den Einzelnen nur sehr eingeschränkt beobachten. Zu wichtigen Situationen und Zusammenhängen sind somit oftmals keine exakten Rückmeldungen an den Athleten möglich. Ein Individual-Coach hat hier sehr viel mehr Möglichkeiten. Deshalb empfinde ich die Konstellation mit meinem Vater als wertvoll und hervorragende Erweiterung zu der Arbeit von Thomas Piesker.
Er akzeptiert dies, ebenso wie früher Bundesnachwuchstrainer Achim Hantke. Ich bin froh, dass diese Zusammenarbeit weiterhin so funktioniert.

Frage: Was sind denn deine Ziele in der diesjährigen Saison?

Das primäre Highlight ist die JoEM. Zweimal gelang es mir, bei diesem Event auf’s Podest zu segeln. In meinem nun letzten Juniorenjahr würde ich diese Erfolge gerne nochmals fortsetzen. Vielleicht gelingt es sogar, den Titel von 2007 wieder zurück zu erobern. Allerdings will ich auch bei der WM beweisen, dass ich mich den echten Profis annähere und ihnen in zunehmendem Maße gewachsen bin.
In der Weltrangliste rangiere ich zurzeit auf Platz 65 und habe mein gesetztes Saisonsziel eigentlich schon erreicht. Ich bin ziemlich sicher, dass hier noch eine weitere Verbesserung drin ist..

Frage: Wer sind derzeit deine engsten Konkurrenten aus Deutschland?

Zu ihnen gehören sicherlich Tobias Schadewaldt, Simon Grotelüschen und Malte Kamrath. Alle drei segeln auf einem ähnlichen und sehr hohen Niveau. Im Vergleich zu ihnen sehe ich zumindest heute noch eine Stufe zurück.
Im Wettkampf sind sie, ähnlich wie die anderen Segler auch, meine Konkurrenten. Sie sind aber auch wichtige Partner in unserem deutschen Team, etwa bei Trainings.

Frage: Was sind deine nächsten Regatten?

Vor dem nächsten Weltcup in Medemblik werde ich den Europacup in Hoorn auf dem Ijsselmeer bestreiten. Hier wird mich mein Vater betreuen.Zuvor steht noch eine FD-Regatta mit ihm auf dem Programm. Hier kann ich als Vorschoter andere und sicher hilfreiche Eindrücke sammeln.

Herzlichen Dank für das Interview und Viel Erfolg für die kommenden Regatten!





Dr. Thomas Reulein / Team Manager
   
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Sonntag, 5. September 2010


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